Mitgliederversammlung vom 11. April 2026

Nach der Begrüssung und der Genehmigung der Traktanden wurde das Protokoll der Mitgliederversammlung vom 12. April 2025 genehmigt und verdankt. Alle zur Abstimmung stehenden Punkte der Traktandenliste wurden gutgeheissen und die Mitglieder des Vorstandes entlastet. Konrad Bitterli dankte im Namen des Kunstvereins für die Unterstützung und hob die erfolgreiche Wiedereröffnung des Hauses Reinhart am Stadtgarten (März 2025) hervor, insbesondere die Ausstellung Félix Vallotton, Illusions perdues. Er berichtete zudem über bedeutende Neuzugänge: Schenkungen umfassen u. a. Werke von Barthélemy Menn und Firmin Massot, während das Museum weitere Gemälde niederländischer und italienisieMitgliederversammlung am 11. April 2026render Künstler des 17. Jahrhunderts durch Ankauf oder Schenkung erwerben konnte. Außerdem verwies er auf aktuelle Ausstellungen, etwa von Simon Starling, Claire Fontaine und in der Villa Flora (Tout est lumière).

Sonja Remensberger stellte wichtige Erweiterungen der Miniaturensammlung vor. Besonders hervorzuheben ist eine Serie von sechs Landschaftsminiaturen von Anthony Jansz. van der Croos, die kunsthistorisch bedeutsam und selten ist. Weitere Zugänge stammen aus der Schenkung der Stiftung Zürcher Heimatschutz (Miniaturen mit Musikthematik) bzw. aus der Sammlung Emil Kern im ehemaligen Agentenhaus in Horgen sowie von Josef Eberl und Hildegard Boxhammer (drei Landschaftsminiaturen). Sonja Remensberger und der Vorstand bedankten sich für die großzügige Unterstützung.

Josef Eberl und Hildegard Boxhammer wurden für ihr langjähriges Engagement zu Ehrenmitgliedern ernannt. Unter „Varia“ wurde eine anonyme Spende von CHF 10’000 verdankt sowie der Ankauf eines Porträts erwähnt verbunden mit einem Spendenaufruf.

Die Versammlung endete mit einem Dank an die anwesenden Mitglieder und einer Einladung zu einer Führung durch die Miniaturenausstellung Momente der Zeit mit anschließendem reichhaltigen Apéro und anregenden Gesprächen.

Jahresbericht 2025 der Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern

Im vergangenen Jahr durften wir im Rahmen zahlreicher Veranstaltungen vielfältige und bereichernde Eindrücke mitnehmen sowie den persönlichen Austausch unter unseren Mitgliedern pflegen. Das Vereinsjahr startete im Februar mit der exklusiven Vorbesichtigung des neugestalteten Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten; Einleuchten, Wiedereröffnung mit Meisterwerken von Friedrich bis Hodler. Das umgebaute Foyer der Berliner Architektin Heike Hanada mit den Interventionen von Koenraad Dedobbeleer fand grossen Zuspruch und Begeisterung. An der Mitgliederversammlung im April fanden sämtliche Traktanden breite Zustimmung, was das Vertrauen und die Verbundenheit unserer Mitglieder mit dem Verein zeigt. Zu den herausragenden Ereignissen des Jahres 2025 zählte die im Mai eröffnete umfassende Ausstellung Félix Vallotton: Illusions perdues, die weit über die Region hinaus grosse Beachtung fand und national wie international auf reges Interesse stiess. Die Ausstellung sowie die begleitenden Veranstaltungen für unsere Mitglieder werden uns in bester Erinnerung bleiben.
Weitere spannende Führungen und Vorträge bereicherten das Vereinsjahr zusätzlich. Besonders hervorzuheben sind der kurzweilige Vortrag mit Apéro von Dr. Margrit Joelson zum Thema Fisch in niederländischen Stillleben sowie die Kuratorenführungen, darunter durch die Ausstellung Nikolaus Stoecklin – Liselotte Moser – Louisa Gagliardi: Reflexionen aus dem beständigen Leben und die Ausstellung Conrad Meyer – Pionier des Schweizer Barock. Neben den Anlässen im Museum bot das Jahresprogramm auch Einblicke hinter die Kulissen: Im Mai besuchten wir das Depot und das Restaurierungsatelier des Kunst Museum Winterthur.
Im Juni folgte dann ein Besuch im Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) in Zürich. In der Villa Bleuler, einem bedeutenden Bauwerk und Sitz des Instituts, führte Direktor Roger Fayet durch die Villa, die Bibliothek sowie das hochmoderne Restaurierungsatelier. Ein Apéro auf der Terrasse mit Blick in den Park rundete den Anlass stimmungsvoll ab.
Ein weiterer Höhepunkt war der Tagesausflug in das Musée cantonal des Beaux-Arts im Oktober. Eine kunstinteressierte Gruppe fand sich in Lausanne zwecks Besuchs der Ausstellung Vallotton Forever ein, wo die Gruppe in den Genuss einer sehr lebendigen, kompetenten und ausführlichen Führung durch die umfassende Ausstellung mit rund 250 Werken des Künstlers und einem besonderen Fokus auf die Graphik kam.
Der Besuch in der Kunstgalerie unseres Vorstandmitglieds Michel Cuendet in Elgg mit dem Fokus auf Schweizer Kunst des 19. Jahrhunderts rundete das Jahr ab.

Wie in den vergangenen Jahren unterstützten die Freunde auch 2025 das Kunst Museum Winterthur und leisteten einen wertvollen Beitrag zu den Ausstellungen Einleuchten: Wiedereröffnung mit Meisterwerken von Friedrich bis Hodler, Nikolaus Stoecklin – Liselotte Moser – Louisa Gagliardi: Reflexionen aus dem beständigen Leben und zu Pierre-Louis Bouvier et ses amis, dem Genfer Miniaturisten, einer der renommiertesten Künstler seines Fachs und begnadeten Porträtisten seiner Zeit.
Die Freunde schenkten dem Kunstverein zudem zwei Bilder: Barthelemy Menns (1815–1893) Paysage lacustre und Firmin Massots (1766–1849) Herrenporträt. Der Genfer Barthélemy Menn gehört zu den bedeutendsten Schweizer Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts. Sein Verständnis für das Unspektakuläre in der Natur, wie auch die malerische Qualität von Menns Kunst faszinierten den Winterthurer Sammler Oskar Reinhart. Geradezu perfekt fügt sich diese lichtdurchflutete Seelandschaft in die Sammlung ein. Firmin Massot gehört zu den bedeutendsten Vertretern der sogenannten Genfer Schule. Er schuf vorwiegend Porträts der Genfer Obrigkeit und von ihren Familien wie auch von Ausländern in Genf. Beim vorliegenden Porträt eines unbekannten eleganten Herrn handelt es sich um ein typisches Bespiel seiner Porträtmeisterschaft. Wir danken unseren Mitgliedern herzlich für ihr Engagement und ihre Treue.

Madeleine Ducret, Präsidentin

Interview mit Jürg Spiller

Interview mit Jürg Spiller

Was ist deine erste Erinnerung an Kunst?

Mit meinen Eltern besuchte ich jeweils die Dezemberausstellung der Künstlergruppe Winterthur im Kunstmuseum, wie es damals hiess. Ich erinnere mich gut an die Bilder von Geo Bretscher, Rudolf Zender, Henri Schmid, Hans Affeltranger, Hans Ruedi Sieber, Eugen Eichenberger, Heinz Keller etc. Wie in vielen Stuben in Winterthur hingen bei uns Lithographien einiger dieser Winterthurer Künstler. Zwei dieser Lithographien, nämlich von Henri Schmid und Hans Ruedi Sieber, befinden sich immer noch bei uns, dazu ein Holzschnitt von Heinz Keller.

Gibt es ein Erlebnis, dass dich junger Mensch in Bezug auf die Kunst geprägt hat?

Ich mag mich an eine Ausstellung zum Futurismus im Kunstmuseum Winterthur erinnern, wahrscheinlich eine der ersten Ausstellung ausserhalb derjenigen der Winterthurer Künstler, die ich besucht habe. Der Futurismus ist eine Kunstrichtung des beginnenden 20. Jahrhunderts. Ausgehend von italienischen Künstlern und Künstlerinnen (z.B. Boccioni), wandte sich diese Avantgardebewegung der Moderne zu. Ihr Ziel war, die Moderne mit ihren technologischen Revolutionen, ihrer sozialen Ordnung, der Veränderung des Städtebaus mithilfe einer neuen, Bewegung und Raum feiernden (Bild)-Sprache zu verherrlichen. Die Verbindung von Kunst und Technik hat mich offenbar damals beeindruckt.
Ein anderes Erlebnis, das indirekt mit Kunst zu tun hatte, waren die Jugendgottesdienste in der reformierten Kirche von Oberwinterthur. Da hatte man Zeit, die vermutlich um 1310/1320 entstandenen eindrücklichen Malereien zu betrachten. Nach der Reformation wurden sie übertüncht. Zu den schlimmsten Zerstörungen kam es aber erst im 19. Jahrhundert: 1835 wurden die bemalten Wände mit Pickeln bearbeitet, damit ein neuer Verputz besser haftete. Restaurierungsversuche im Jahr 1932 richteten weiteren grossen Schaden an. Die Bemalung des Chorgewölbes ging damals unwiederbringlich verloren, als während der Restaurierungsarbeiten der ganze Verputz herunterstürzte. Bei der Restaurierung 1976–1981 konnten die Gemälde teilweise restauriert bzw. gesichert werden.

Gibt es eine Kunstrichtung, die dir näher liegt als andere und welche liegt dir gar nicht?

Ursprünglich haben mir vor allem die Werke des Impressionismus gefallen, wie wahrscheinlich vielen Menschen, die sich noch nie intensiv mit Kunst befasst haben. Näher gekommen bin ich dann der Kunst, als ich – als Gemeindepräsident von Seuzach – vom Kanton als kantonaler Vertreter in den Vorstand des Kunstvereins Winterthur delegiert bzw. vom damaligen Präsidenten Urs Widmer überredet wurde. Dank den vielen Besuchen auch in anderen Museen und in privaten Sammlungen im In- und Ausland – unter kompetenter Leitung des damaligen Direktors Dieter Schwarz – lernte ich immer mehr die ganze Palette der Kunst kennen und schätzen, vor allem auch die Kunst der Moderne und der Gegenwart. Besonders angetan haben es mir die Arte Povera Italiens (z.B. Mario Merz, Luciano Fabro, Giuseppe Penone) und die amerikanische Gegenwartskunst (z.B. Robert Mangold, Ellsworth Kelly, Richard Tuttle, Richard Artschwager), oder die Kunst von Gerhard Richter.

Warum engagiert ihr euch, deine Frau Ruth und du, in einem Verein?

Da gibt es unterschiedliche Gründe. Einmal soll der Vereinszweck unseren Interessen entsprechen. Das kann Kunst sein, das kann auch ein gemeinnütziger Zweck sein, das kann ein Ort für eine Gemeinschaft sein. So engagieren wir uns in den verschiedenen Institutionen, die sich der Förderung der Kunst in der Region Winterthur widmen, aber auch in Institutionen, die sich der Unterstützung von Projekten in Ländern des Südens verschreiben (z.B. Stiftung Solidarität mit der Welt, Kiriat Yearim). Dazu kommen Vereine in unserer Region, vor allem auch in unserer Gemeinde, welche etwas für die Gemeinschaft tun (Kulturvereine, Sportvereine, Partei etc.). Früher haben wir auch sehr aktiv in solchen Vereinen mitgearbeitet, heute ist die Unterstützung mehr symbolisch. Ein wichtiger Punkt für das Engagement sind gemeinsame Aktivitäten und Begegnungen mit Gleichgesinnten in solchen Vereinen.

Was gefällt dir an unserem Verein besonders gut?

Genau dieser letzte Punkt! Die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern organisieren interessante Kunstführungen, mit spannenden Referenten, aber auch Reisen. Sehr gut in Erinnerung geblieben ist uns die Reise nach München vor einem guten Jahr. Dort haben wir verschiedene Kunstmuseen besucht, aber auch eine Rahmenmanufaktur. Und dazwischen sind wir zusammengesessen und haben uns über die verschiedensten Dinge unterhalten und besser kennen gelernt. Ein wichtiger Aspekt unserer Mitgliedschaft bei den «Freunden» ist aber selbstverständlich die Überzeugung, dass die Sammlungen für die Kunstlandschaft in Winterthur eine zentrale Rolle spielen. Das wollen wir unterstützen.
Noch eine Bemerkung: Wir sind auch Mitglied des Kunstvereins Winterthur, des Galerievereins (Freunde des Kunstmuseums Winterthur) und des Vereins der Freunde der Villa Flora. Das dokumentiert unser Engagement für das Dreihaus-Konzept des Kunstvereins: Museum Reinhart am Stadtgarten, Kunstmuseum beim Stadthaus und Villa Flora.

Sind Vereine antiquiert oder im Zuge der Digitalisierung und Anonymisierung mehr denn je ein wichtiger Ort für persönliche Begegnungen?

Sie sind keineswegs antiquiert, sie sind vielmehr sehr modern. Wobei sie mit Bezug zur Digitalisierung ebenfalls à-jour sein müssen. Gerade die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern bringen mit ihren Veranstaltungen Kunstinteressierte – und solche, die es werden könnten – zusammen. Machen Sie einen Versuch! Melden Sie sich bei einem Vereinsmitglied, z.B. bei Ruth oder mir, oder bei der Präsidentin Madeleine Ducret.

Du warst lange Mitglied des Stiftungsrates der Stiftung Oskar Reinhart und des Vorstandes des Kunstvereins, zuletzt als dessen Präsident. Welches waren für dich die schönsten Momente in dieser Zeit?

Im Rückblick gibt es viele solche Momente. Ich war 18 Jahre Mitglied des Vorstandes des Kunstvereines, davon einige Jahre Quästor, Vizepräsident und schliesslich 7 Jahre Präsident. Sodann wurde ich vom Kunstverein in die Stiftungsräte der Stiftungen Oskar Reinhart und der Hahnloser-Jäggli Stiftung und in den Vorstand des Galerievereins delegiert. Am wichtigsten für mich war sicher, dass ich den Weg zum neuen Museumskonzept mit den drei Häusern von den ersten Ideen über den Kampf für den Erhalt der Villa Flora und zum Einbezug des «Reinhart am Stadtgarten» bis zur zusätzlichen Finanzierung durch Stadt und Kanton mitbegleiten durfte. Bereits früh in meiner Tätigkeit im Vorstand des Kunstvereins (ab 1998) entwickelte unser damaliger Direktor Dieter Schwarz die Idee, das Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten zum Zentrum der Kunst, quasi zum Eintrittshaus, zu erweitern. Darauf aufbauend haben wir dann das Museumskonzept entwickelt, das alle drei heute unter dem Dach des Kunstvereins Winterthur vereinten Häuser zusammenbringen sollte. Es erfüllt mich mit besonderer Freude, dass dieses Konzept nun definitiv realisiert worden ist, inklusive erneuerter Villa Flora und umgebautem Erdgeschoss im «Reinhart am Stadtgarten».
Daneben gab es unzählige Momente, die ich in guter Erinnerung behalten habe. Die Begegnungen mit den sehr engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der drei Häuser, mit den Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen Gremien oder die Streitgespräche mit Politikerinnen und Politikern, die wir schliesslich für unsere Ideen begeistern konnten. Dann das 100-Jahr-Jubiläum des Kunstvereins in 2016. Die vielen Ausstellungen – z.B. Vallotton, Vuillard, Deacon, Richter, Baumeister, Penone, Fabro -, welche immer wieder auf grossen Zuspruch gestossen sind. Die Erwerbungen oder Schenkungen von Werken von Vuillard, Richter, Deacon, Hamilton, Artschwager etc., die uns dank privaten Spendern, Beiträgen von Stiftungen oder der öffentlichen Hand ermöglicht wurden. Die gemeinsamen Besuche von Sammlungen und Museen in der Schweiz und im Ausland. Die Auslandstourneen unserer Sammlungen, z.B. die Ausstellungen von Meisterwerken der Sammlung des Kunstvereins in Japan in den Jahren 2009/2010, die Ausstellungen der Werke der Hahnloser-Stiftung in Hamburg, Halle an der Saale etc. Und noch vieles mehr.

Welches ist Dein Lieblingsbild?

Mir gefallen viele Bilder. Beispielhaft möchte ich zwei aus dem „Reinhart am Stadtgarten“ nennen. Einmal – wie könnte es anders sein – Friedrichs Kreidefelsen auf Rügen, ein Bild aus der Sammlung von Oskar Reinhart. Dieses Bild ist sinnbildlich für die Qualität der Sammlung und ein grosser Anziehungspunkt für Besucher aus dem In- und Ausland.


Werk von Caspar David Friedrich: Kreidefelsen auf Rügen

Und dann das Werk von Ellsworth Kelly, das nun im Treppenhaus des „Reinhart im Stadtgarten“ hängt. Dieses Werk konnten wir während meiner Zeit im Vorstand des Kunstvereins erwerben. Mich verbinden zwei Aspekte besonders mit diesem Werk. Einmal ist
es ein Beispiel für den Inhalt unseres Dreihaus-Konzeptes. Im Gegensatz zu früher können wir heute Werke je nach Schwergewicht der Ausstellungen in jedem der drei Häuser zeigen. Dieses Werk der amerikanischen Moderne wird nun im „Reinhart am Stadtgarten“ ausgestellt, einem Ort, an dem früher nur Werke aus der Sammlung von Oskar Reinhart hingen. Und zweitens hatte ich während meiner Zeit bei der damaligen Winterthur-Versicherungen eine Lithographie von Ellsworth Kelly in meinem Büro. Das kam über den Vater des Künstlers zur Winterthur, der seinerzeit Agent für die Winterthur in Amerika war.

Werk von Ellsworth Kelly

Reise der Freunde Reinhart, Briner und Kern zur Vallotton Ausstellung nach Lausanne

Eine kunstinteressierte Gruppe fand sich am 25. Oktober bei richtigem Museumswetter in Lausanne Zweck des Besuchs, der im Oktober eröffneten Ausstellung Vallotton Forever ein. Das neue Musée Cantonale des Beaux Arts ist auch für Liebhabern der modernen Museumsarchitektur sehenswert. Nach einem guten und gemütlichen Essen mit anregenden Gesprächen im Museumsrestaurant Le Nabi und anschliessend freier Besichtigung des Museums kam die Gruppe in den Genuss einer sehr lebendigen, kompetenten und ausführlichen Führung durch die umfassende Ausstellung des in Lausanne geborenen Malers. Auch für «Vallotton-Kenner» bot die Ausstellung mit 250 Werken des Künstlers und einem besonderen Fokus auf die Graphik neue Aspekte und Erkenntnisse. Wir freuen uns schon auf dennächsten Anlass.

 

Schenkung der Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern, 2025

Der Genfer Barthélemy Menn gehört zu den bedeutendsten Schweizer Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts. Er hat die französische Freilichtmalerei und das Konzept der Paysage intime in die Schweizer Kunst eingeführt. Unter Paysage intime – zu deutsch vertraute Landschaft – ist jene Richtung der Landschaftsmalerei zu verstehen, die sich mit schlichten, einfachen Motiven befasste und seit den 1840er Jahren von Camille Corot und Vertretern der École de Barbizon praktiziert wurde. Die Bilder vermitteln keine geschichtlichen oder religiösen Inhalte, sondern vielmehr unspektakuläre Naturausschnitte aus der Sicht des Künstlers. In diesem Sinne war Menns Annäherung an die Natur damals in der Schweiz etwas ganz Neues und Modernes. Seine subtilen Naturdarstellungen standen im Gegensatz zu den bedeutungsschweren, idealisierten Landschaften seiner Westschweizer Kollegen, insbesondere zur heroisch gefärbten Alpenmalerei eines Alexandre Calame.

Barthélemy Menn (1815 – 1893)
Paysage lacustre
Öl auf Holz, 46 x 63.5 cm
Kunst Museum Winterthur

Menn kommentierte seine Landschaftsmalerei einst mit den Worten: «Dans un buisson, je vois tout.» / «In einem Busch sehe ich alles.» Dieses Verständnis für das Unspektakuläre in der Natur, wie auch die malerische Qualität von Menns Kunst faszinierten den Winterthurer Sammler Oskar Reinhart. Dank ihm besitzt das Kunst Museum Winterthur die bedeutendste Werkgruppe Menns nach dem Musée d’art et d’histoire in Genf. Geradezu perfekt fügt sich deshalb diese lichtdurchflutete Seelandschaft Menns, die uns die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern jüngst geschenkt haben, in die Museumssammlung und im Speziellen in die Bestände der Westschweizer Kunst, für die Oskar Reinhart eine besondere Vorliebe hatte.

Das Gemälde zeigt einen unspektakulären Landschaftsausschnitt an einem Seeufer: Links führt der Blick über das Wasser auf ferne Hügelzüge am anderen Ufer, in der Mitte wird das Bild durch eine Mauer geteilt, entlang derer auf der rechten Bildhälfte ein steinerner Weg zu einer einfachen Bootsanlegestelle hinabführt. Der Ort konnte noch nicht identifiziert werden, aber es könnte sich um eine Uferstelle am Genfersee handeln. Bestimmend sind das atmosphärische Zusammenspiel von Licht und gedämpftem Kolorit sowie die spontan wirkende, lockere Pinselschrift, wie sie für die Pleinairmalerei der Zeit typisch sind. Dabei zeigt sich der Einfluss Corots in den verriebenen Baumsilhouetten und der silbrig-grünen Tonalität der Vegetation. Mit dem Franzosen verband Menn eine enge Freundschaft. Gemeinsam haben sie in der Westschweiz Maltouren unternommen und malten mit anderen Künstlerfreunden den grossen Salon im Schloss Gruyère aus. Als Menn 1839 aus Rom nach Paris zurückkehrte, war am Salon die Kombination der Freilichtmalerei mit dem komponierten Atelierbild das aufsehenerregende Novum. Es stellte den Sieg über akademische Regeln dar und erneuerte die Atelierkunst mit Hilfe der Pleinairmalerei. Allerdings führte Corot die Tradition der Paysage historique in Form der Freilichtmalerei weiter und belebte seine Landschaften mit mythologischen oder pastoralen Figuren. Dies erklärt die vorliegende Landschaft, in der Menn die «moderne» Wirkung der Freilichtmalerei mit Staffagefiguren «salonfähig» machte.

Im April 2025 konnte das Gemälde von den Freunden der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern in einer Auktion ersteigert werden. Das Kunst Museum Winterthur freut sich sehr, dass es auch im Bereich der historischen Sammlung geglückte Erweiterungen dieser Art geben kann und diese von den Freunden des Hauses massgeblich unterstützt werden.

Im Einsatz für die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern: Dr. Margrit Joelson

Portrait Margrit Joelson

Die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern fühlen sich mit den Sammlungen der Stiftung Oskar Reinhart und der ehemaligen Stiftung Jakob Briner sowie der Miniaturensammlung Emil S. Kern verbunden. Sie unterstützen das Haus Reinhart am Stadtgarten, das seit 2017 dem Kunst Museum Winterthur angehört, sowohl ideell als auch finanziell.

Dr. Margrit Joelson bereitet seit 2015 für die Freunde der Sammlungen Reinhart, Briner und Kern «Themenapéros». Ausgehend von einzelnen Bildern hält sie seit einiger Zeit auch kulturhistorische Vorträge. Wie es zu den Apéros gekommen ist, erklärt sie am besten selbst:

«In der Schweiz gibt es eine schöne Apéro-Tradition, die Mensch, Genuss und Geselligkeit zusammenbringen soll. Früher hat man sich mit Salznüssli und Chips bekleckert, heute sind «gesündere» Varianten üblich. Ich habe schon immer gerne gekocht, zubereitet und serviert und für verschiedene Vereine und Institutionen Apéros vorbereitet. Da habe ich gelernt, dass die Arbeitszeit am kostenintensivsten ist. Es war im Juni 2015, eine Veranstaltung zum Geburtstag Oskar Reinharts stand bevor und die Frage tauchte auf, was die Freunde servieren sollten. Aus den Tagebüchern Oskar Reinharts waren seine Lieblingsspeisen bekannt, das «Was» war klar. Nun zum «Wie?»: Mein Vorschlag war, dass wir alle Zutaten einkaufen und dass ich den Apéro zubereite. Der Themenapéro war geboren. Mir macht es Spass, Speisen vorzubereiten, die das Thema der Ausstellung, der Führung oder des Vortrages aufnehmen: so sind viele tolle Gespräche und Freundschaften entstanden, manchmal auch gerunzelte Stirnen bei ganz unbekannten Kreationen. Oft werde ich gefragt, warum ich das unentgeltlich mache: wie gesagt, es bereitet mir Freude, aber das ist nicht der ganze Hintergrund. Meine Eltern kamen nach dem Zweiten Weltkrieg aus Österreich in die Schweiz; wir waren arm. Meine ersten Erinnerungen an Winterthur waren die Museen und die Konzerte, wenn der Eintritt frei war. Sobald ich lesen konnte, suchte ich die Stadtbibliothek heim, jeden Samstag schleppte ich die Maximalzahl erlaubter Bücher nach Hause und erwarb mir so eine Allgemeinbildung, die mir Schule und Studium ermöglichte. Ich war aber kein «Nerd», ich spielte leidenschaftlich Fussball, amtete als Linien- und Schiedsrichter und liess kein Spiel des FCW aus. Die Gesellschaft hat mir sehr viel gegeben, ich möchte zurückgeben.»

Dr. Margrit Joelson

 

Dr. Margrit Joelsons Lieblingsbild im Kunst Museum Winterthur | Reinhart am Stadtgarten ist Titanias Erwachen von Johann Heinrich Füssli:

«Shakespeares Sommernachtstraum ist eine meiner Lieblingslektüren; es wird mir nie langweilig immer wieder darin zu blättern und meine Vorstellungen, die beim Lesen entstehen, in Füsslis Bild zu suchen. Einen Füssli-Apéro gab es noch nicht. Da kämen gewiss englische Spezialitäten und Sachen aus der Shakespeareianischen Küche, wohl auch Guiness und vielleicht etwas mit Sachen aus dem Wald (Waldbeeren, Pilze…) bzw. dem Sommernachtstraum.»

Titanias Erwachen von Johann Heinrich Füssli

Jahresbericht 2024

Das Vereinsjahr startete im Februar mit einer zweitägigen Kunst- und Kulturreise
nach München zur Ausstellung William Turner im Lenbachhaus mit bedeutenden
Werken aus allen Schaffensperioden. Am zweiten Tag besuchten wir am Vormittag
die Alte Pinakothek und als krönenden Abschluss die renommierte Rahmenwerkstatt
Pfefferle, die von Oskar Reinhart hochgeschätzt war. Selbstverständlich wurde auch
für Mahlzeiten mit bayerischen Spezialitäten gesorgt.
Im März folgte nach langer Umbauzeit die Eröffnung der Villa Flora, ein Juwel in
der Winterthurer Museumslandschaft. Die Ausstellung Bienvenue! Meisterwerke von
Cézanne, van Gogh und Manet zurück in Winterthur und die privaten Führungen für
die Mitglieder stiessen auf grosses Interesse und Begeisterung.
Im Juni bot sich den Mitgliedern die seltene Gelegenheit zur Besichtigung der
privaten Badeanlage von Oscar Reinhart am Römerholz mit anschliessenden Apéro
im Garten. Die Badeanlage mit ihren wunderbaren Mosaiken, die Architektur des
Gebäudes mit ihrer Kunst und die Turnhalle mit ihren originalen Geräten liessen
alle staunen.
Im September führte uns Ferdinand Knecht durch seine Sammlung flämischer und
niederländischer Kabinettstücke im Kunsthaus Zürich. Nach einem gemeinsamen
Mittagessen empfing uns Cyril Koller beim Auktionshaus Koller AG in Zürich, der
mit seinen Kolleginnen uns Raritäten und Kunstwerke aus der kommenden Auktion
zeigte.
Das Vereinsjahr wurde mit einem Apéro und Vortrag im Club zu Geduld
abgerundet. Über das Jahr fanden auch zahlreiche interessante Vorträge und
Führungen zu spezifischen Themen und Ausstellungen in- und ausserhalb von
Winterthur statt. Die Anlässe waren immer geprägt von regem und fröhlichem
Austausch und Gesprächen mit alten und neuen Bekannten.

Reise nach Berlin vom 7. bis zum 10. September 2023

Die diesjährige Reise der Freunde Reinhart Briner Kern führte uns nach Berlin. Die Stadt empfing unsere 17-köpfige Reisegruppe bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen. Am ersten Tag besuchten wir unter kundiger Führung eines Architekten die Museumsinsel mit ihren Neubauten, wie dem Chipperfieldbau und weitere erst kürzlich fertiggestellte Sehenswürdigkeiten.
Unser Vorstandsmitglied und Präsident der Lieberman-Gesellschaft, Johannes Nathan, empfing uns am zweiten Tag in der Liebermann-Villa am Wannsee, die uns mit ihrem wunderbaren Garten und durch ihre traumhafte Lage am Wasser verzauberte. Anschliessend besichtigen wir Schloss Sanssouci, welches in eine wunderbare Gartenanlage eingebettet ist, und den Palazzo Barberini in Potsdam mit seiner eindrücklichen Sammlung von Impressionisten.
Die Gemäldesammlung in Berlin, die seinesgleichen sucht, besuchten wir am dritten Tage unter der Führung von Margrit und Harry Joelson -Strohbach, welche ihr grosses Wissen mit uns teilten. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung für eigene Erkundungen in dieser weitläufigen Stadt.
Die zwei spannenden Führungen am Sonntag durch die Ausstellung „100 Bilder für Berlin“ von Gerhard Richter im beeindruckenden Bau der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe und „Secessionen. Klimt. Stuck. Liebermann“ in der Alten Nationalgalerie rundeten unsere Reise würdevoll ab.
Auch das geselliges Beisammensein bei gutem Essen wie Flugente mit Rotkohl, Currywurst, Sauerbraten und Pfannkuchen wurde ausgiebig gepflegt.